Montag, 1. Februar 2016
Vor der Reise; Anfang Dezember
Vor den Ferien gab es noch einiges zu tun. Im Projekt lief der Advetskalender weiter, mit Rutschen,



Plätzchen backen,





Murmel spielen,






Eisessen und vielem mehr. Außerdem haben wir die Cesta basicas, (Säcke mit allen Grundnahrungsmitteln), die wir vom Rotary Clube bekommen haben, auf unsere Projektkinder zu Weihnachten verteilt.



Zum Schluss war ein Ausflug ins Schwimmbad geplant, außerdem hatten wir Professoras es uns zur Aufgabe gemacht, für jedes Kind einen Weihnachtsmann zu basteln und ein Tütchen mit Plätzchen zu füllen. Die Weihnachtsmänner aus Filz waren zwar sehr viel Arbeit, aber das haben wir irgendwie schon hinbekommen, das eigentliche Problem waren die Tüten. Vor der Teamsitzung (die immer um 17 Uhr anfängt) bin ich fast drei Stunden im Zentrum herumgeirrt um diese blöden Tütchen zu suchen. Nach dieser erfolglosen Suche bin ich dann so schnell es ging zu Sanzio gefahren, denn bei ihm habe ich Internet und sein Haus steht nahe am Projekt, also gab ich von dort aus Jack bescheid, dass ich nicht weiß, wo ich noch suchen sollte (sie wollte unbedingt Weihnachtsmuster drauf). Ich schrieb ihr dann schnell eine Nachricht und machte mich dann auch schon wieder auf den Weg, um mich mit jemandem zu treffen, der mich eventuell für drei Monate hätte aufnehmen können (habe mich dann aber dagegen entschieden, weil mir die Sache nicht so geheuer war). Um fünf kam ich dann pünktlich zum Treffen ins Projekt, Jack war nicht da, sie kam dann irgendwann viel zu spät und schlecht gelaunt an. Nachdem wir ewig irgendwelche unnötigen Dinge besprochen haben, meinte sie dann irgendwann, jemand müsste zum Supermarkt fahren um Tüten zu kaufen, das waren dann zwar keine Weihnachtstütchen gewesen, aber damit hätte sie sich abgefunden.
Natürlich musste einer von uns beiden Freiwilligen gehen und da Vera verletzt ist, habe ich mich schnell auf den Weg gemacht, ich denke man merkt jetzt noch, dass ich ziemlich sauer war, woher soll ich denn wissen, wo ich diese Dinger herbekomme, ich lebe schließlich noch keine 10 jahre in Cáceres und dann musste ich mit dem Fahrrad gehen, obwohl Drika und Jack mit dem Motorrad da waren und eine auch noch zu diesem Laden hätte fahren können, der diese Tütchen mit Sicherheit gehabt hätte.
Das Beste war dann ja aber wohl, dass Jack zu Vera meinte als ich weg war, ich hätte das ja schoon viel früher erledigen können. Ja wer hat denn den Film, a,, Tag des Film guckens besorgt, stand dann vor einer noch verschlossenen Tür und musste dann dafür zwei kaufen, obwohl das schon zwei Wochen im vorraus geplant war. Sie ist auch komischerweise nicht diejenige, die Kuchen backen, Rechnungen bezahlen, Teig und andere Dinge vorbereiten muss, meistens reduzieren sich ihre Atividades sich eher auf spontane Basteleinheiten und Handy Screenshots mit Anleitungen. Ich weiß, irgendwie ist das auch fies, jetzt so darüber zu schreiben, aber ich halte das gerade mehr für mich fest, als für andere und ich finde ich sollte mir vor allem auch die Dinge von der Seele schreiben, die mir in dem Jahr nicht gefallen haben und das hier gehört für mich eindeutig dazu, es kann eben auch nicht immer alles gut laufen.
Der Gipfel kommt aber erst noch:
Am nächsten Tag, der Tag des Ausfluges mit den Kindern begann auch ziemlich beschissen. Um Punkt 7 Uhr kam ich ins Projekt und es warteten bestimmt schon 15 Kinder darauf, dass ihnen jemand aufschließt und es los geht. Um halb acht kamen dann Mateus, Lucas und Vera und wir organisierten das Mittagessen, das die Oma eines Projektkindes kochte, dann spielten wir mit allen Kindern zusammen ein Spiel um die Kontrolle ein bisschen zu bewahren.
Von einem der älteren Kindern wussten wir, dass die anderen Professoras und unsere Chefin den Ausflug scheinbar vergessen haben. Kurz nach Acht sind die drei dann einmarschiert, ohne auch nur "Guten Morgen" oder soetwas zu sagen, haben den Kindern erklärt, sie hatten etwas Wichtiges zu organisieren und taten so, als seien sie noch pünktlich gekommen, nicht einmal an uns einen Hauch einer Entschuldigung. So fängt ein super guter Tag an!
Da wir die Kinder mit dem Auto zum Schwimmbad bringen mussten, fuhr ein Auto zweimal und besorgte gleich diese dramatisch wichtigen Tütchen mit Sternchen drauf. Lanche machten die Mädchen dann nur für sich und die Kinder, was auch irgendwie ein bisschen unverschämt war, was haben wir denn getan?! Und vor allem, was können wir für die Zickereien bei ihnen zuhause?
Die Plätzchen verteilten dann Vera und ich mit Hilfe der Jungs, die anderen hatten sich einfach mit den Kindern zum Schwimmbecken verkrümelt, ohne bescheid zu sagen.
Ansonsten verlief der Ausflug normal, keine Schwierigkeiten, es wurde allerdings auch nicht mehr wirklich mit uns geredet.
Die Kinder waren aber glücklich und das hat mich wirklich gefreut, auch fand ich es toll zu sehen, dass die Kinder ihre Grenzen kennen, denn die meisten können nicht schwimmen (ein paar Crashkurse konnte ich geben, ein Nachmittag ist dennoch zu wenig um schwimmen zu lernen), sogar der kleine Pietro wagte sich ohne Schwimmflügel o.ä. ins Wasser, klammerte sich dafür wie ein Äffchen an mir fest.





Am Nachmittag räumten wir noch das Projekt für die Ferien auf, eigentlich machten wir nichts von dem, was wir im Vornhinein besprochen hatten, die Mädchen nahmen einiges mit nach Haus, sonst war eigentlich nichts zu tun, der Kühlschrank wurde (vermutlich aus Faulheit) nicht abgetaut und lief damit über die ganzen Ferien.
Irgendjemand hatte einfach den Schlüssel mitgenommen, mit dem man den hinteren Raum "abschließen" kann (ein bisschen Drücken und die Tür ist offen), nachdem ich dann das Projekt abgeschlossen hatte, hat Jack dann stinkig wieder aufgeschlossen und hinten abgeschlossen (als wir zwei Tage später wieder kamen, um Lissy das Projekt zu zeigen war die Tür offen), ich hatte dann noch gefragt, wann wir uns am nächsten Tag treffen wollen um eines der Projektkinder im Krankenhaus zu besuchen ( ich hatte schon einmal von Derick erzählt, der im November einen Autounfall hatte). Die pampige Antwort war dann 16 Uhr, aber ich solle Suellen fragen, habe ich dann auch gemacht, die meinte dann 10 Uhr, ich hatte auch von vornherein gesagt, dass ich mittags nach Cuiabá fahre und deshalb nur morgens kann.
Am nächsten Morgen kamm dann eine Nachricht, Derick würde es heute morgen schlechter gehen, aber mittags könne man ihn dann besuchen...paradox...Vera meinte dann auch, die wollten nur nicht morgens gehen, aber gut, für mich war die Sache damit erledigt und meine Ferien konnten endlich beginnen. Ich habe Derick dann eine Nachricht geschrieben und mich entschuldigt, auf meine Kolleginnen hatte ich nach den zwei Tagen eh eher weniger Lust...

Schrittweise werden in den folgenden Tagen hoffentlich meine Reiseberichte, von Manaus über die Küste bis Sao Paulo folgen.

Beijo Lise



Freitag, 4. Dezember 2015
Besonderes Ereignis
Seit ich zurück bin sind schon ein paar Dinge passiert:
Im Projekt haben wir für die Kinder einen Adventskalender gebastelt, der jeder Tag für ein Kind Süßigkeiten enthält und jeweils eine Aktivität, die sich die Kinder für den letzten Monat vor den großen Ferien gewünscht haben.
Bevor wir damit angefangen haben hatte ich das Jack vorgeschlagen und sie fand es auch gleich ein gute Idee, mich hat es dann nur genervt, dass immer alles mit den vorherigen Jahren verglichen wird und dass sie es so dargestellt hat, als sei es ihre Idee gewesen, den Kalender zu machen, aber gut, ist ja auch nicht so wichtig, die Kinder haben eine riesige Freude daran.
Diese Woche haben wir schon eine Lichterkette gebastelt und mit Seife und Wasser das Projekt in eine Rutschbahn verwandelt:





Zu diesem Bild muss ich sagen: ich möchte eigentlich nicht, dass es so nach außen wirkt, als seien die Kinder total liebebedürftig und wir würden die Kinder die ganze Zeit umarmen, weil wir denken sie brauchen und mögen das usw. aber als es hieß wir machen alle zusammen ein Foto, hat sich der kleine Pietro einfach auf meinen Schoß gesetzt.



Nun zu dem „besonderen“ Ereignis, von dem die Überschrift verspricht:
Letzten Sonntag war ich mit Manu, Rafaela und Hadassa (die gerade auch bei uns wohnt) in der Kirche. Erst einmal musste ich mich aufregen, weil einer der ziemlich oft bei uns herumhängt meinte, ich bräuchte nicht hingehen, ich würde ja eh nichts verstehen.
Aber gut, mit vorsorglicher Watte in den Ohren hab ich mich mit den Mädels auf den Weg gemacht, die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt und direkt neben dem Kirchengebäude draußen war sogar ein Beamer, für alle, die nicht mehr hineingepasst haben, dazu muss man wissen, das ist nicht normal, an diesem Wochenende war ein Fest der Jugendlichen der Kirche. Also habe ich mich mit den Kleinen hingesetzt, Manu saß vorne, weil sie bei einem kleinen Theater später mitmachte.
Für alle, die es nicht wissen, meine Gastfamilie gehört einer evangelikalen Kirchengemeinde an.
Der Gottesdienst begann so, wie ich mir das vorgestellt habe, ich wusste ja, dass viel gesungen und sehr laut gebetet werden würde. Ehrlich gesagt, so im Nachhinein weiß ich gar nicht, wann gebetet wurde oder nicht, oft musste man aufstehen und ständig hat jemand „Amen“, „Hallelujah“, „Gloria“ oder etwas anderes gerufen, von andächtiger Stille keine Spur.
Auch schauen die Leute immer so leidend (ich verstehe nicht warum, ich dachte mit einem festem Glauben verspürt man eher Glück) und viele weinten.
Die beiden Mädchen gingen irgendwann, ohne mir ein Wort zu sagen, aber das war nicht so schlimm, neben mir saß dann ein kleiner Junge mit Down-Sydrom, mit dem ich gerne gespielt hätte, immer wieder hat er mich angestupst und ich habe zurück gestupst, das fand er glaube ich viel interessanter als den Gottesdienst.
Die Predigt habe ich nur zur Hälfte verstanden, der Pastor hat eigentlich nur geschrien. Was ich aber verstanden habe war: Brasilien erlebt keine Tsunamis und keine Bomben fallen auf das Land herunter, weil hier mehr Menschen an Gott glauben und dieser Glaube sehr stark ist. Ist das zu glauben?? Damit kann ich mich nicht einverstanden zeigen. In Bolivien gibt es auch keine Tsunamis, aber liegt das am Glauben? Ich denke nicht, dort gibt es doch noch nicht einmal Meer. Wie soll denn hier nach Mato Grosso, dem Mittelpunkt Südamerikas eine Tsunamiwelle kommen?!?
Naja, darüber und über die anderen ziemlich unlogischen Dinge, die der Pastor von sich gab, wollen wir mal hinwegsehen, jetzt zum, für mich, besonderen Teil.
Am Ende der Predigt sollte man ein paar Mal die Person neben sich umarmen, ich stand die ganze Zeit nur doof da, bis eine Frau hinter mir irgendwann angefangen hat, mir die Hand auf die Schulter zu legen. Dann fragte mich eine andere Frau, ob ich nicht „akzeptiere“, ich wusste nicht einmal was ich akzeptieren sollte, Manu hat mir später erklärt, dass gemeint war, ob ich Jesus nicht akzeptiere und ich habe der Frau gesagt, dass ich aus Deutschland komme und es nicht zu meiner Kultur gehört, die Hand zu heben und irgendwelche Sachen zu rufen, das hat sie aber glaube ich nicht verstanden.
Jetzt kommt der, wie ich finde, verrückte und ein bisschen altertümliche Teil, der Pastor bat alle Jugendlichen der Kirche nach vorne und meinte, er macht jetzt etwas übernatürliches.. Darf man sich das überhaupt herausnehmen, sagen, man könnte so etwas? Auf jeden Fall fing er dann an, die Jugendlichen zu segnen und die Dämonen auf ihnen heraus zu „ziehen“. Ich wusste nicht, dass es so etwas noch gibt!!
Dann schickte er sie nach draußen, um neue Mitglieder für die Kirche zu finden (das wurde mir erst danach erklärt, aber ich glaube ich hätte nicht anders auf das reagiert, was jetzt kommt:)
Manu kam nach einer Weile strahlend auf mich zu und fragte mich, ob ich zu ihrer Kirche gehören möchte, wir umarmten uns und ich sagte zu ihr, wir reden danach. Ich dachte, sie fragt das, weil der Gottesdienst fast vorbei ist und sie so in etwa wissen will, wie es mir gefallen hat. Aber wirklich, es war echt ein bisschen emotional, denn sie hat mich angeschaut, als wäre das gerade ihr größter Wunsch, dass ich Teil ihrer Gemeinde werde. Wir haben uns wieder umarmt und sie ging nach vorn zurück. Die neuen Mitglieder wurden dann gesegnet und es wurde gesungen, während dem Lied verstand ich alles von dem Text, jetzt aber weiß ich nur noch Teile davon, wie zum Beispiel, dass alle die glauben gerettet sind, ich weiß nicht warum, aber in dem Moment war es, wie wenn portugiesisch meine Muttersprache wäre und ich fing fast an zu weinen. Dann legte eine Frau hinter mir ihre Hand auf meine Schulter und sagte: „Du bist etwas Besonderes für Jesus.“
Ihr glaubt jetzt bestimmt ich übertreibe, aber in genau diesem Moment hat es sich angefühlt, als wäre ich, ich alleine, etwas besonderes für ihn, als einziger Mensch in diesem Raum. Und mein Hals war zu, ich hätte nichts sagen können und eine Träne lief mir über die Wange und ich habe mich tatsächlich gefragt, ob das ein Zeichen ist. Jetzt wo ich das schreibe hört es sich verrückt an, aber ich habe später mit Vera darüber geredet und sie meinte, ich solle unbedingt hier darüber schreiben, denn genau so funktioniert diese Kirche, genau so gewinnen sie Mitglieder.

Ich habe nach dem Gottesdienst noch lange mit Manu darüber geredet, was sie glaubt, was ich glaube und was gesagt wurde und ich habe wirklich Interesse, noch andere Kirchen zu besuchen und auch noch einmal ihre.
Es gibt viele Dinge, in denen wir uns nicht einig sind und ich glaube auch nicht, dass ich als komplett veränderter Mensch zurückkomme, aber vielleicht ändert sich meine Sicht auf die Dinge, auf Grund all der Erfahrungen, die ich hier mache...

Beijos Lise



Bolivienreise Teil 2
Hier kommt der zweite Teil meines Reiseberichts, hat leider wieder ein bisschen gedauert, aber ich lag die letzten Tage fast nur auf dem Sofa vor Erschöpfung.

Die Italiener waren ziemlich nervig, der Typ hat jedenfalls die ganze Zeit nur über seinen Strand Club geredet oder an der Tour herumgenörgelt.
Stimmt schon, es gab einige Defizite, zum Beispiel, dass es zum Frühstück nur Milch- und Kaffeepulver und etwas Brot gab, aber meine Güte, hätte schlimmer kommen können.
Am dritten Tag unserer Reise ging es dann nach den letzten paar Salzwüstenfotos raus aus dem weißen Meer und rein in eine grau-braune Steinwüste.









Überall nur Steine und manchmal ein paar grüne Grasbüschel, trotzdem war die Ansicht ziemlich beeindruckend, bei über 4000m kein Schnee in Sicht, wer hätte das gedacht?!





Immer mal wieder hielt unser Fahrer an für 20 Minuten Bilderpause, das war eh immer sein Spruch: „Ihr habt 20 Minuten.“ Das fanden glaube ich alle nicht so gut, ich hätte gerne auch etwas über die Landschaft gewusst, jedes Mal wenn jemand gefragt hat, hat unser Guide dann entweder auf ein Schild verwiesen oder einen nicht wirklich zufriedenstellenden Satz gesagt.
Dafür war er aber immer bereit, Bilder von seinen „Chicas lindas“ zu machen, bestimmt nur, weil wir nicht die ganze Zeit herumgenörgelt haben.





Nach einigen Steinbekletterungen kamen wir zur ersten Lagune, die ist wirklich wunderschön. Im Oktober und November befinden sich dort drei verschiedene Arten von Flamingos. Ich weiß nicht so genau, wie man die auseinanderhalten kann, aber es gab welche mit schwarzen Federn am Hintern, größere und kleinere.





Hier wurde dann auch unser wie immer kaltes Mittagessen eingenommen, das für gewöhnlich im Kofferraum des Jeeps serviert wurde.



So viele verschiedene Farbtöne im Wasser, ich hätte stundenlang einfach nur Formen und Farben im Wasser bestaunen können, aber dann ging es schon weiter zur nächsten Lagune und dann zur nächsten, bis wir unser letztes „Hotel“ erreichten, da war es wirklich arschkalt, es gab abends nur zwei Stunden Licht, Steckdosen hat man gar nicht erst angebracht und die einzige Glückliche mit warmem Duschwasser war ich.
Am nächsten Morgen ging es dann nach gefühlt einer Stunde Schlaf um vier Uhr wieder raus aus dem eiskalten Bett.



Den versprochenen Sonnenaufgang verpassten wir dann, weil der Guide viel zu spät dran war, irgendwie hat er es dann aber immer noch so darstellen wollen, als hätte er die ganze Zeit auf uns gewartet und nicht wir auf ihn. An diesem Morgen waren wirklich alle schlecht drauf, zum Frühstück gab es praktisch nichts mehr, die Packung Tee hätte schließlich für sieben Leute drei Tage lang halten sollen.

Mit Langarmshirt, Pulli, Regenjacke und dann noch dem Wollpulli und einer Mütze auf ging es dann schließlich zum ersten Stopp, der für Vera und mich den schlechten Start sofort wieder wett gemacht hat. Die Geysire waren wirklich beeindruckend, auch wenn es überall nach faulen Eiern gerochen hat, war dieses Naturschauspiel am frühen Morgen wirklich einer der besten Sehenswürdigkeiten der ganzen Reise. Hier ein paar Eindrücke für euch:





Im Programm stand, als nächstes könne in den heißen Quellen gebadet werden, aus Plural wurde Singular und aus der Fantasie einer natürlichen Quelle im Nirgendwo wurde ein touristischer Badeort. Also hängten wir nur unsere Füße hinein. Der vermeintlich coolste Part der Tour wurde ein großer Reinfall.



Also ging es durch Sand und Gestein zur „Laguna Verde“. Die grüne Lagune war ein bisschen weniger grün als wir uns das vorgestellt haben, aber das läge wohl an den fehlenden Mineralien im Wasser zur Zeit. Ein bisschen Schade, aber trotzdem schön.

Der letzte große Stopp, bevor es zurück nach Uyuni ging, war die „Laguna Vermelha“, hier färbt sich das Wasser durch die darin enthaltenen Mineralien rot. Ich weiß nicht, wie lange ich dort saß und die Natur einfach nur in mich aufgesaugt habe, aber es war wunderschön und ich hätte noch viel viel länger dort sitzen bleiben können.







Die tatsächlich letzten Haltestellen waren, um das „Banho Natural“ zu benutzen und um Mittag zu essen. Lamas sind wirklich lustige Tiere...



Als wir zurück nach Uyuni kamen, suchten wir uns erst einmal ein Hostel für die Nacht. Danach ging es los zur Bank, um Geld für das Abendessen und die Weiterfahrt am nächsten Tag abzuheben. Aber: Horror!! Wirklich! Das möchte man auf einer Reise wirklich nicht erleben, alle, wirklich alle Bankautomaten in der Stadt waren in dieser Nacht nicht funktionsfähig!! Also gingen wir los (ich war wirklich extrem deprimiert!) und suchten uns für 22 Bolivianos etwas zu essen (umgerechnet sind das ungefähr 3 Euro) und tatsächlich fanden wir etwas. An einer Straßenecke stand eine Frau mit einem Wägelchen und verkaufte Reis mit Lama- oder Hühnerfleisch für jeweils 6 Bolivianos. Also versuchten wir es, Lama hat mir nicht geschmeckt, ich fand, es hatte irgendwie ein bisschen etwas von Kuhstall, aber das Hühnchen war ganz okay. Mit unserem Glück hatten wir sogar noch 10 Bolivianos übrig, davon gönnten wir uns dann einen Nachtisch, Vera hatte Schokoerdbeeren und ich einen Becher mit Joghurt und Früchten. Unglaublich, das alles für DREI Euro!! Ein Wunder eigentlich, dass wir danach keine Lebensmittelvergiftung hatten, aber man sagt ja: Nur die Harten kommen in den Garten!
Das war wirklich eine Erfahrung wert und es gab sogar ein Erinnerungsfoto vor einem echten Plastikweihnachtsbaum:



Am nächsten Tag voller Optimismus ging es los zur Bank und........huch Glück gehabt, es ging alles gut. Was hätten wir nur gemacht, wenn es immer noch nicht funktioniert hätte?
Also ging es los zum Bus, der uns nach Potosi brachte. Dort wollten wir eigentlich bei einem Couchsurfer übernachte, der hatte uns auch zugesagt, es dann aber irgendwie verpeilt, also haben wir uns wieder ein Hostel gesucht und hier gab es das beste Frühstück/Mittagessen, das wir dann auf dem Boden einnahmen: Käsebrot, Feigen und Wassermelone. Uma delicia!





Nachdem wir ein bisschen die Stadt versucht haben kennen zu lernen, gingen wir in eine Tanzaufführung, die Leute erklärten uns es sei eine Oper, dabei gab es nur ein bisschen Opernmusik und ein Haufen Jugendliche, die dazu eine Geschichte mehr oder weniger tanzten und so taten als würden sie singen, nach der zweiten Pause und einigen Lachanfällen gingen wir auf die Suche nach unserem Abendessen. Wir hatten vorher schon gelesen, dass man in Bolivien in noble Restaurants gehen kann und dabei immer noch ziemlich billig wegkommt. Also versuchten wir unser Glück, erst haben wir uns nicht hinein getraut, weil das Restaurant so schick aussah, dann kam aber doch noch eine Frau, die uns hineinbat. Drinnen waren tatsächlich nur Touristen zu sehen. Für mich gab es einen riesigen Teller Quinoa-Nudeln und für Vera drei Sorten Fleisch mit seltsamem Gemüse, zusammen haben wir für das Abendessen 130 Bolivianos gezahlt, also nicht mal 20€.





Am nächsten Morgen bei Frühstück habe ich meinen Fleecepullover einer Mitarbeiterin des Hostels gegeben, vermutlich werde ich den im heißen Brasilien nicht mehr gebrauchen und sie kennt sicherlich jemanden, der sich darüber freut. Die Frau hat sich wirklich gefreut und sich ziemlich oft bedankt. Also ging es mit einem minimal leichteren Rucksack auf zum Bahnhof, wir waren zwei Minuten zu spät, aber der Mann dort war ziemlich nett, hat den Zugfahrer angerufen, damit er stoppt, also sind wir wie zwei Blöde hinter dem Zug her gerannt, der das zweite Highlight unserer Reise, neben der Tour, werden sollte.
Bis wir so richtig aus der Stadt draußen waren, war unsere Fahrt mit dem Tuckerzug ein bisschen enttäuschend, überall lag Müll herum, manchmal war mir wirklich rätselhaft, wie der wohl da hin kam.. Was ich die ganze Fahrt über erstaunlich fand, war, alle, die unseren Zug bemerkt haben, hörten auf mit dem was sie gerade taten, ob Arbeiter auf dem Feld oder spielende Kinder.. Hunde sind uns hinterher gerannt und Kinder haben gewunken. Es hat sich angefühlt, wie durch eine andere Welt zu fahren. Auch fährt der Zug eine andere Route als der Bus und wir passierten wunderschöne grüne Täler und hohe graue Berge.





Immer wieder stoppte der Zug und es stiegen Leute ein und aus, manchmal an Stellen, wo man sich wirklich gefragt hat, wie weit diese Menschen wohl gelaufen sein müssen, um die Gleise zu erreichen. Bis wir nach sieben Stunden dann in Sucre ankamen, war der kleine Zug gefüllt und voll mit verschiedenen Gerüchen, wie Coca-Blätter, undefinierbare Früchte und Mahlzeiten eingepackt in Blätter, die mit der Hand eingenommen wurden.
Die Frauen vom Land tragen fast alle zwei geflochtene Zöpfe, an denen am Ende Perlen baumeln, die Kleidung setzt sich meistens aus einer Bluse, einem faltigen Rock und einer Schürze zusammen, ihr Hab und Gut tragen sie für gewöhnlich in bunten Tüchern herum.



Die Zeit im Zug war wirklich schön und nützlich, die ganze Reise zu verarbeiten und die Natur auf sich wirken zu lassen.

In Sucre am Bahnhof gab es dann zum ersten Mal fast Ärger..Hahaha..Jetzt finde ich es witzig, aber in dem Moment war ich wirklich auf 180, als von allen Seiten Leute zu uns kamen, um uns eine Busfahrt zu verkaufen, ich war hungrig und musste auf die Toilette, keine gute Mischung... Also hauten wir schnell ab, gingen auf die Toilette, aßen etwas und suchten uns in aller Ruhe eine Bus Company, die uns dann über Nacht nach Santa Cruz bringen sollte. Bis der Bus fuhr, fuhren wir mit dem Stadtbus durch Sucre und liefen ein bisschen herum.

Am nächsten Morgen kamen wir dann in Santa Cruz an, leider haben wir uns nicht über die Stadt informiert, denn wir gingen eigentlich davon aus, dass wir gleich den Bus nach San Matías nehmen müssen, der fuhr aber erst abends, also fuhren wir mit irgendeinem Bus herum, setzten uns an einen Platz, schrieben Tagebuch, redeten, aßen Eis, liefen über einen Markt, suchten Mitbringsel und so weiter...

Mit zwei Stunden Verspätung kam der Bus am nächsten Tag um 14:00 Uhr in San Matías an. Da wir noch das Migrationsbüro aufsuchen mussten, um anständig aus Bolivien auszureisen, verpassten wir den Bus nach Cáceres. Voll angepisst und deprimiert warteten wir auf den Bus, der um 17:00 Uhr kommen sollte, ich wollte einfach nur noch zurück nach Cáceres zu meiner Gastfamilie. Dann rief uns plötzlich ein Taxifahrer, er würde uns für den gleichen Betrag, wie der Bus nach Cáceres fahren, das Angebot nahmen wir sofort an. Also passierten wir mit ihm die Grenzkontrolle (ich hatte echt Angst, weil die das Auto gescannt haben und wir beide ein bisschen Alkohol als Mitbringsel dabei hatten), aber es ist alles gut gegangen und wir kamen sicher und überglücklich in Cáceres an.

Ich hoffe ihr konntet ein paar Eindrücke meiner Reise gewinnen. Für mich war die Reise wirklich ein tolles Erlebnis und es hat mir wirklich Lust auf mehr gegeben, trotzdem kommt man nach so vielen Eindrücken auch gerne wieder zurück in den Alltag, ich habe mich wirklich wahnsinnig auf meine Kids im Projekt gefreut und die sich auch.
Bis jetzt habe ich noch nie so eine Rucksackreise gemacht und ich glaube es war auch ein bisschen eine Probe, für die große Reise im Dezember, ich weiß jetzt was sinnvoll ist mit zu nehmen und welche Dinge ich die ganzen zehn Tage nicht benutzt habe.

Es gibt Tage, an denen schreibe ich mit mehr Gefühl, an Manchen nur sachlich, ich glaube das merkt man, wenn man die Texte liest, es ist für mich einfach wichtig, alles zu dokumentieren, meine Erfahrungen und Eindrücke, an manchen Tage bin ich nicht so motiviert zu schreiben, habe aber Angst etwas wichtiges zu vergessen. Ich hoffe es hat euch trotzdem gefallen und ihr lest weiter fleißig meinen Blog. (Ich freue mich immer wahnsinnig, wenn mir jemand sagt, er liest, was ich schreibe.)

Beijos Lise




Sonntag, 29. November 2015
Bolivienreise Teil 1
Hier ein paar Eindrücke meiner Bolivienreise für euch, ich habe mir überlegt, weniger Text und mehr Bilder dieses Mal.

In der Nacht nach meinem 19. Geburtstag (Freitag der 13.!) ging es endlich los auf unsere erste Reise, ohne Plan, ohne Sprach- oder sonstige Landeskenntnisse. Unser Ziel: Die Salzwüste Boliviens.

Wir nahmen den frühstmöglichsten Bus nach Bolivien, hat auch super geklappt, nur dann -Pustekuchen- die Bolivianer haben die Uhr nicht auf Sommerzeit umgestellt, also durften wir eine ganze Weile warten, bis das Migrationsbüro aufmachte und die Busse fuhren, somit gab es ein Frühstück am Straßenrand.



Endlich in unserem Bus in die 18 Stunden entfernte Stadt Santa Cruz trafen wir den Cácerensen Gualter, mit ihm sprachen wir viel über Bolivien, Brasilien und was uns sonst noch so einfiel. Erst spendierte er uns ein Abendessen und dann beim Abschied drückte er jedem von uns 100 Dollar und zusätzlich noch einmal 100 Bolivianos in die Hand. Krass oder? Wir kannten den Mann gerade ein paar Stunden. Ich glaube das war wirklich ein Zeichen, so viel Herz! Ich glaube wir haben auch ein bisschen Vatergefühle bei ihm geweckt, zwei kleine deutsche Mädels auf dem Weg ins Unbekannte.



Am Flughafen buchten wir nach langem Warten und Suchen einen Flug von Santa Cruz nach Cochabamba und in letzter Sekunde bekamen wir dann schnell noch einen Flug von Cochabama nach Sucre, der Hauptstadt Boliviens. Viele denken, La Paz sei die Hauptstadt Boliviens, das ist aber ein Irrtum, die Regierung sitzt zwar in La Paz, die Hauptstadt ist dennoch Sucre.



Am Flughafen drückte uns gleich jemand einen Flyer eines Hostels in die Hand, dass wir dann auch gleich ansteuerten.
Na, wer sieht den Fehler in dem Taxi, das uns zum Hostel gefahren hat?
So sehen fast alle Taxen hier aus.



Den Tag verbrachten wir in der Stadt, auf dem Markt und in einem Museum, abends schauten wir uns eine traditionelle Ausdruckstanzshow an.



An diesem Samstag erfuhren wir erst von dem schrecklichen Attentat in Paris, was unseren Abend erheblich stauchte, dazu kam noch die Nachricht von dem Autounfall eines Projektkindes, das zu diesem Zeitpunkt im Koma lag. (Heute ist er auf dem Weg der Besserung, nicht mehr im Koma, wird aber noch künstlich ernährt..und man darf ihn noch immer nicht besuchen). Der Tiefpunkt des Tages war aber der überfahrene Mann vor unserem Hostel. Ein schlechteres Tagesende kann man sich kaum vorstellen.

Die ganzen Geschehnisse hinter uns lassend ging es am nächsten Tag auf einen Markt.



Mittags ging es dann weiter nach Potosi und von dort aus zu unserem Zielort Uyuni.
Dort wurden wir wieder gleich von jemandem belabert der uns dieses Mal eine Tour durch die Wüste und ein Hostel für die Nacht anbot. Wir waren erschöpft von der Fahrt und es war spät, also gingen wir trotz meines schlechten Gefühles mit der Frau und schliefen mehr oder weniger gut in einem annehmbaren Hostel.

Uyuni:



Am nächsten Morgen holte uns die gleiche Frau früh ab, dass wir auch ja nicht eine andere Company nach Touren fragen können. Ich fand sie hat uns schon ganz schön gedrängt und ich hatte auch wirklich kein gutes Gefühl, ich kann es nicht leiden wenn man gleich so aufdringlich wird. Als wir sagten wir wollen erst etwas essen und vielleicht noch ein bisschen vergleichen, war die Tour gleich nochmal 100 Bolivianos billiger.
Also ging es dann doch los mit Sandra Tours, die versprochenen Deutschen waren Französisch sprechende Schweizer, die ihnen versprochenen Britinnen waren wir, aber sonst gab es keine leeren Versprechungen. Die Gruppe bestand dann also aus zwei Peruanern, zwei Schweizer, ein Belgier und uns beiden, dazu kam noch ein sehr unmotivierter Guide..ich habs geahnt...

Der erste (sehr touristische) Stopp waren alte Eisenbahnwagons aus Frankreich, die benutzt wurden um das Silber an die Küste zu bringen.



Dann ging es endlich hinein in die Salzwüste, haben uns das alle etwas weißer vorgestellt, aber das ist wohl Tag und Standort abhängig. Die Salzwüste, die für ihre lustigen Schnappschüsse bekannt ist, hat eine Fläche von über 10500 km² und die Salzschicht ist bis zu ist bis zu 30 m dick.







Am Abend kamen wir in unserem ersten „Salzhotel“ an, dass am Fuße des Vulkans Tunupa (auf deutsch so etwas wie Postbote) tatsächlich aus Salz gebaut wurde. Hier gab es einen Haufen Lamas, ein bisschen wie dort stelle ich mir Irland vor...



Der zweite Tag der Tour begann mit dem Aufstieg auf den Vulkan und einer Mumienbesichtigung. In der Höhle saß eine ganze, konservierte getötete Familie, richtig interessant war es nicht, haben den Höhlenguide auch kaum verstanden, so ohne Zähne und auf Spanisch.



Danach ging es voll aufwärts, der Vulkan ist fast 5000m über dem Meeresspiegel hoch, wir waren ungefähr bei 4500m, das hat aber schon gereicht, es ist wirklich sehr, sehr anstrengend bei so dünner Luft einen Berg hoch zu wandern. Der Ausblick ist aber unvergesslich! Man steht auf einem grau-braun-grünen Berg und sieht auf eine weiße Fläche runter, ziemlich strange, normalerweise ist es doch andersherum oder? Man steht auf einem Berg voll Schnee und schaut auf einen blauen See oder ein grünes Tal oder so. Unglaublich.





Nach dem Mittagessen war der nächste Stopp eine Kakteeninsel in der Salzwüste. Nicht sehr spektakulär, aber war trotzdem ganz witzig da oben.



Die Tourgruppe wurde nach diesem Abstecher ein bisschen durchgetauscht, der Belgier und die Peruaner fuhren zurück nach Uyuni, dafür trat ein italienisches Paar bei. Und so ging es weiter, zum nächsten Salzhotel in dem wir dieses Mal in echten Salzbetten übernachteten.



Das war der erste Part unserer kleinen Reise durch Bolivien, leiden hat es sehr lange gedauert, die Bilder hoch zu laden, aber jetzt habe ich es endlich geschafft.
Ich hoffe euch gefallen die Eindrücke...Fortsetzung folgt...

Adios! Lise