Sonntag, 1. November 2015
In letzter Zeit.......
Der letzte Eintrag ist schon eine ganze Weile her, aber obwohl ich ziemlich viel zu tun hatte ist nicht wirklich etwas Spannendes passiert.
Bis zum 22. Oktober waren 7 Praktikantinnen der Uni im Projekt. Die Zeit war etwas langweilig für mich, da sie die Atividades und das Lanche organisierten. Das einzig Spannende in dieser Zeit im Projekt war, sich über diese Pädagogik Studentinnen aufzuregen, ganz ehrlich bei manchen verstehe ich heute noch nicht warum sie das studieren und was lernt man denn bei einem Praktikum, wenn man sich einfach auf den Boden legt und schläft?! Wenn wir ehrlich sind, war das ganze Projektteam froh, als die Mädels wieder weg waren.
Wenigstens hatten Vera und ich dann Zeit uns endlich beim SESI-Club anzumelden, das ist ein Freizeitclub mit Schwimmbecken, der auch Zumba- und Wassergymnastikkurse anbietet. Leider sind wir immer noch nicht offiziell dabei, weil estrangeiros, (das ist das Wort für “Ausländer”, das ich irgendwie immer noch herabsetzend finde, wahrscheinlich weil “estranho” sowas wie seltsam oder merkwürdig heißt) keine CPF Nummer haben (Jeder Brasilianer hat eine Nummer, die braucht man zum Beispiel um zu reisen oder in größeren Läden einzukaufen).
In meiner Freizeit beteilige ich mich auch im Haushalt, zum Beispiel beim Wäsche waschen donnerstagmorgens, eigentlich waschen Manu und ihre Mutter und ich hänge alles im Garten auf gespannten Kabel und Drähten auf.

Am Wochenende gehe ich grade oft an die Sematur, das ist eine Wiese mit ein bisschen Sandstrand am Fluss Rio Paraguai im Zentrum der Stadt. Hier treffen sich Jugendliche und essen Wassermelone oder trinken Tereré, das ist wie eiskalter, erfrischender Tee.





Letzte Woche haben wir uns dort mit ein paar Leuten getroffen, darunter auch ein Indio, der am Brasilien-Deutschland Austausch mitmacht.
Ich hatte ihn mal gefragt, wie sie in seinem Dorf die Ohr- und Nasenlöcher stechen und er meinte mit einem Holzspan. Als er dann noch meinte, wenn er das bei mir machen würde, würde ich heulen habe ich das als Herausforderung genommen. Ich habe schon einmal über noch ein Ohrloch nachgedacht, aber dann dachte ich: Jetzt erst recht! Nicht wegen des Loches, sondern wegen der Erfahrung. (Hätte es ja immer noch zuwachsen lassen können)
Also hat Guilherme mir kurzer Hand ein Ohrloch gestochen, ein bisschen Angst hatte ich vorher schon, aber es hat kaum wehgetan.
Das Bild haben wir erst danach gemacht, weil in dem Moment irgendwie keiner daran gedacht hatte das festzuhalten, aber ich finde es zeigt die Situation gut.



Im Nachhinein kann ich nicht verstehen, wie er einfach das Ding durch mein Ohrläppchen bohren konnte. Die Erfahrung war es auf jeden Fall wert und bis jetzt hatte ich auch noch keine Beschwerden.
Er hätte mir dann gleich auch noch eins in die Nase gemacht, das wollte ich dann aber nun wirklich nicht. Sogar bei ihm hätte Wasser das Auge verlassen als er das Loch durch die Nase bekommen hat. Ich fande das so witzig, als es das gesagt hat, weil wir doch das Sprichwort haben: Indianer kennen keinen Schmerz.

Wo ich gerade bei Schmerzen bin: Am Dienstag hat sich im Projekt ein Kind den Arm gebrochen. Der Junge ist eine Mauer hochgeklettert und dann herunter gefallen. Als er dann zu uns Professoras kam habe ich erst nicht geblickt was los ist, denn durch einen Unfall und eine schlechte Operation hat er ein längeres und ein kürzeres Bein und humpelt deshalb. Ich habe den Arm gesehen und dachte nur: Hä, er hat auch einen komischen Unterarm (gleich nach dem Handgelenk machte der Arm eine Welle). Ich musste wieder einmal feststeellen, dass es im Projekt kaum Sanitätsmaterial gibt. Also haben wir den Arm mit einem alten Lappen “geschient” und Eiswürfel in eine Tüte um zu kühlen. Drika hat gleich die Feuerwehr gerufen, denn die kommt hier bei einem Unfall und ersetzt unseren Notdienst (mehr oder weniger), die Antwort war, es dauert noch.. In der Zwischenzeit war jemand bei den Nachbarn vom Projekt, denn da wohnt auch ein Feuerwehrmann, der kam dann kurz rüber meinte so etwas wie: “Ja, der Arm ist tatsächlich gebrochen” und ist wieder gegangen. Irgendwann kam noch die große Schwester von dem Jungen mit der er lebt, die stand auch nur teilnahmslos rum. Mir tat Adilson so leid, am liebsten hätte ich ihn in den Arm genommen und gesagt es wird alles gut, irgendwie habe ich das aber nicht hinbekommen zu sagen.
Ich war die ganze Zeit total ruhig und gelassen, aber als Adilson dann nach mehr als einer halben Stunde abgeholt wurde war ich total leer. Keine Ahnung warum, ich hatte Angst was mit ihm passiert und war irgendwie traurig, dass ich ihm nicht so viel helfen konnte, wie ich gerne hätte und dass es auch gar keine Mittel im Projekt gab. Nachdem das Projekt dann aufgeräumt war und alle gegangen sind bin ich mit Weverton ins Zentrum gefahren um mich mit Vera zu treffen. Er meinte, ich solle Krankenschwester werden, aber ich glaube das wäre nicht mein Ding. Mir war den ganzen Tag über voll schlecht und nachts konnte ich auch nicht schlafen, ich hatte Angst was passiert und ob die Ärzte den Arm auch gescheit richten.
Am Freitag habe ich ihn kurz mit einem dicken Gips gesehen, da war ich richtig glücklich, dass es ihm gut geht, aber wir werden sehen wie sich alles entwickelt...
Ich hoffe es passiert nichts mehr und auch mir nicht..

Im Projekt haben wir uns die letzte Woche mit Halloween beschäftigt, die Kinder haben Deko und Kostüme für das kleine Fest am Freitag gebastelt.
Am Freitag trafen sich alle Helfer um 15Uhr um das Projekt zu dekorieren, zu verdunkeln, Popcorn und Hotdogs vorzubereiten. Ab fünf standen dann die Kinder vor dem Zaun und Vera und ich gingen raus um alle zu schminken, als alle dann verkleidet und geschminkt waren schauten wir einen Film. Die Kinder fanden ihn teilweise langweilig, aber wir waren uns einig, dass man keinen Horrorfilm zeigen kann, denn wenn die Kinder das zu Hause erzählen, was wirft das dann für ein Licht auf das Projekt?!
Trotzdem hat es allen gefallen, hätte es mir auch weniger cool vorgestellt, obwohl wir so motiviert waren es schön zu gestalten, aber manchmal habe ich immer noch das Gefühl, dass die Ideen nicht ausgesprochen werden, vielleicht brauchen die Brasilianer nicht darüber zu reden, aber manchmal würde ich mir ein bisschen mehr Information wünschen.
Am Ende war es ein tolles Event und alle waren glücklich mit dem Verlauf.
Das Goncalinho-Projekt-Team:



Fast alle Kinder waren da:






Im Vorbereitungsstress war auch noch Veras Umzug in eine neue Familie geplant, die bisherige Familie war irgendwie nicht so glücklich gewählt, denn irgendwann hat sich auch herausgestellt, dass es nicht so recht ist, wenn ich ständig bei Vera bin, weil sowieso hat die Gastschwester ja kaum noch Freiheit hatte, irgendwie alles paradox, weil ich sie fast nie gesehen habe wenn ich da war. Gestern konnte Vera dann endlich umziehen. Habe ihr dabei geholfen, die Koffer ins neue Haus zu bringrn. Wir sind bestimmt den doppelten Weg mit den schweren Koffern gelaufen, weil sie das Haus nicht mehr gefunden hat. Irgendwann haben uns dann zwei alte besoffene Typen angemacht und wollten wissen wo wir hinmöchten, das war irgendwie grußelig, weil es auch schon dunkel war. Es war komisch das Haus zu verlassen, aber gut, dass niemand sonst da war. Wir werden wahrscheinlich nicht wieder zurück kommen, aber irgendwie ist keiner von uns deshalb traurig.

Bin froh über meine Gastfamilie und für alle die sich fragen, ob ich dann jetzt auch woanders wohne, nein, mir gefällt es hier in meiner Familie super. Bis zur großen Reise im Dezember bleibe ich auf jeden Fall hier. Danach schau ich mal.
Heute hat meine Familie Zuwachs bekommen, Manus Schwester kam und hat ihre 5-jährige Tochter und ihren dreimonatigen Sohn mitgebracht. Da bin ich mal gespannt, wie das wird und ob das Baby viel schreit.

Auf jeden Fall gehts mir super gerade, bin echt glücklich hier zu sein, es fühlt sich nur komisch an, dass schon ein Viertel der Zeit herum ist.

Beijos Lise



Dienstag, 13. Oktober 2015
Ferien auf dem Bauernhof
Wieder einmal liegt ein langes Wochenende hinter mir. Am Dienstag war Geburtstag von Cáceres, also war am Montag Brückentag.
Mein Wochenende habe ich mit Vera auf dem Assentamento Roseli Nunes verbracht. Wie ich schon einmal erzählt habe, besetzt die Landlosenbewegung MST ungenutzte Landflächen, diese Lager nennen sich Acampamento, sobald der gerichtliche Prozess dann gewonnen ist und das Land der MST zugesprochen wurde, werden Lotes (Landstücke) an die besetzenden Familien verteilt, die schon am längsten auf Land warten. Auf diesen Landflächen errichten die meisten eine Art Bauernhof, einige mehr andere weniger, das kommt auch immer auf die Vorgeschichte der jeweiligen Familie an. Die Familie von Lucas, die wir zwei Tage besucht haben hat zwar beispielsweise Schweine und einen Gemüsegarten, die Eltern arbeiten aber hauptberuflich als Lehrer bzw. der Vater als Maurer.
Am Samstagnachmittag ging es also mit dem Bus los zum Sítio (Bauernhof).
In Mirassol wurden wir dann mit dem Bus abgeholt, denn das Assentamento ist riesig und anders nicht zu erreichen. Abendessen gab es auch dem Hof von Matheus, unter Anderem wurde auch Rindermagen aufgetischt. Es war eine Erfahrung wert das zu probieren, muss aber nicht noch einmal sein.
Die Nacht war viel kühler als in der Stadt und auch viel ruhiger. Keine kläffenden Straßenhunde, keine Motorräder oder Autos und auch keine Partys an jeder Ecke. Das war total entspannend, bis es am nächsten Morgen los ging, die Haushunde bellten und die Kühe schrien. Als Vera und ich um neun aufstanden war es schon viel zu spät um Kühe zu melken. Dafür hatten wir die Chance mit einem alten Traktor das Landstück von Matheus' Familie ab zu fahren.



Unterwegs trafen wir noch mehr Rinder, darunter auch ein totes, das aussah als hätte jemand die Luft abgelassen. Noch nie habe ich ein totes Tier dieser Größe irgendwo liegen sehen. Ich glaube, würde auf einer Wiese in Deutschland eine Kuh sterben, würde man gleich ein Drama beginnen, hier lässt man es einfach liegen. Nach unseren kleinen Tour ging es dann zum Hof von Lucas, dort hatten der Vater und der Opa gerade ein Schwein geschlachtet. Fasziniert von den Innereien haben wir alles angefasst und genau unter die Lupe genommen. Die Umstehenden fanden das glaube ich ziemlich witzig, aber trotzdem auch cool. Lucas vergleicht uns ständig mit den zwei Mädels vom Austausch 2012 die in seinem Haus wohnten, das ist manchmal ziemlich ermüdend aber wir schneiden eigentlich immer gut ab, denn die beiden waren wohl nicht so motiviert auf einem Bauernhof ein paar Tage zu verbringen. Mich hat es jedenfalls nicht abgeschreckt, das Schwein so zu sehen. Das nächste Mal möchte ich dann dabei sein, wenn es geschlachtet wird.
Nach einer kleinen Runde durch die Natur rund um das Haus gab es dann besagtes Schwein, zusammen mit Reis und anderen Beilagen.



Von der Zunge bis zum Darmausgang alles am Stück. Hier die Zunge mit Luft-und Speißeröhreneingang, ist das nicht interessant?



Nachmittags ging es dann zum Fußballspielen auf einem der 10 Plätze, die das Assentamento hat, krass oder? Aber am beeindruckendsten finde ich, dass das komplette Gelände des Assentamentos, das heute in 331 Lotes aufgeteilt ist, einem einzigen Typen gehört hat, der dieses Land überhaupt nicht genutzt hat. Da die Häuser soweit auseinander stehen, kann man dort abends nicht ausgehen, also machten wir einen Filmabend mit „Olga Bernário“, den Film haben sich Vera und ich gewünscht, weil wir keine Lust mehr auf eine niveaulose brasilianische Komödie hatten. Olga Bernário ist bis heute ein Vorbild für die sozialistische Bewegung der Landlosen. Im Zweiten Weltkrieg hat sie rebelliert und starb am Ende in einer der Gaskammern, der Film erzählt ihren Kampf, bis zum Ende.
Am Montagmittag haben wir die Schule des Assentamentos besucht, diese ist eigentlich wie die anderen Schulen hier auch, nur können die Schüler noch einen Agrarteil dazu wählen, da wird dann Agrarkultur, -wirtschaft und so weiter behandelt.



Danach waren wir kurz auf dem Hof von Matheus um die Kühe zu füttern, das war zu viert nicht viel Arbeit. Zum Fressen kam dann auch das Pferd (woher auch immer, das kann keiner so genau sagen). Also ritten wir spontan noch eine Runde (natürlich nicht allein).



Abends sprach ich mit Lucas' Mutter, sie erzählte mir, wie sie zu der Bewegung kam. Viele Leute treten bei, weil sie arm sind und kein Land besitzen, nichts haben. Bei ihr war es anders, ihre Freundin hat sie dazu gebracht, sie kannte die MST aber schon. Da sie sehr viel über Heilpflanzen weiß, bat ihre Freundin sie auf ein Acampamento zu begleiten. (Sie und ihre Kinder waren noch nie bei einem Arzt). Also ging sie hin, half den Menschen dort und war wahnsinnig beeindruckt von ihrem Leben. Sie und ihr Ehemann traten der MST bei und besetzten Land. Die Zeit dort sieht sie als die Schönste ihres Lebens, sie würde sofort zurück auf ein Acampamento gehen, wenn sie es entscheiden könnte. Kaum vorzustellen oder? Ich dachte immer, die Leute treten nur aus Verzweiflung bei, aber scheinbar ist das nicht immer so.
Nachts haben wir uns ein bisschen raus gesetzt und die Sterne angeschaut, unglaublich wie viele man dort draußen sehen kann! Der Himmel war wunderschön und ich bekam sogar die erste Sternschnuppe in meinem Leben zu sehen.
Am nächsten Morgen ging es dann früh los zu einem Acampamento in der Nähe. Leider gibt es davon nur ein Foto, aus dem Auto heraus fotografiert. Da das Acampamento Pedro erst ein paar Monate alt ist, durften wir eigentlich keine Fotos schießen. Den genauen Grund habe ich nicht verstanden.



Als wir dort waren und durch die Holzbarackenstadt liefen, in der zur Zeit über 200 Familien wohnen, wurden wir von allen Seiten begrüßt. Die Menschen dort waren sehr offen uns gegenüber und erzählten, wie es ihnen auf dem besetzten Land geht. Ein älterer Mann, bei dem wir anhielten um Kaffee zu trinken meinte er würde niemals wieder weg wollen. Er liebt das Leben auf dem Acampamento. Auch am Eingang des Geländes hing ein Plakat: „Lieber im Kampf sterben, als aus Hunger“
Die Einstellung der Menschen dort fasziniert mich immer noch sehr. Auch das die Leute schon so organisiert sind. Beispielsweise gibt es Uhrzeiten wann Wäsche gewaschen wird, wann die Frauen und wann die Männer baden können. Fast bei jeder Baracke befindet sich ein kleines Beet, in dem Salat oder Frühlingszwiebel angebaut werden.
Wir wunderten uns, ob die Fläche auf denen die Baracken stehen schon immer so kahl war, denn man kann ja nicht unauffällig eine so große Fläche plattmachen. Ein Mann erklärte uns dann, dass bevor eine Besetzung gestartet wird, eine kleine Gruppe von Mitgliedern der MST das gesamte Gelände unter die Lupe nimmt, dann werden die Familien, die die Besetzung vornehmen herausgesucht und angeworben, auch ist klar eingeteilt, wer wie viel Platz bekommt.

Auf dem Weg zurück nach Cáceres hielten wir noch auf dem Acampamento Casio Ramos, welches ein bisschen kleiner ist und schon seit über einem Jahr am Ortseingang von Cáceres besteht. Diese Besetzung unterscheidet sich sehr stark von der anderen. Da es an diesem Standort keinen Wald o.ä. Gibt, sind die Baracken viel improvisierter, z.B. mit Plastikfoliendach.
Auch gibt es keine Wasserstelle in der Nähe, was vieles erschwert, ich denke auch weil das Acampamento so nahe an der Stadt ist, leben viele nur zu Hälfte dort. Eine Frau meint, nur 20 Personen sind ständig da und leben wirklich nur auf dem besetzten Land. Vermutlich verlangsamt das auch den ganzen Prozess mit der Justiz. Allgemein wirkten auf mich die Leute auf dem ersten Acampamento zufriedener als dort.

Als ich wieder zuhause war, wartete meine Gastfamilie auf mich, meine Gastmutter und Rafaela kamen endlich zurück, ich habe mich den ganzen Tag auf die beiden und Manu gefreut.

Hat wieder ziemlich lange gedauert bis ich den Beitrag fertig hatte, die letzte Woche war von Mittwoch bis Sonntag ein Rodeofestival in Cáceres, das mir ziemlich viel Schlaf und Zeit geraubt hat. War aber eine interessante Erfahrung, ich wusste ja das Rodeo gefährlich ist, jetzt bin ich auch der Meinung, dass es ziemlich dämlich ist, 8 Sekunden auf einem Bullen zu sitzen, runter zu fallen und dann vielleicht zerquetscht zu werden. Jedem das Seine nicht wahr?

Beijos Lise




Donnerstag, 1. Oktober 2015
Unglaublich. Schon 2 Monate hier.
Heute sind wir seit genau 2 Monaten in Cáceres. Ich kann gar nicht glauben, dass morgen schon Oktober ist, es fühlt sich überhaupt nicht so an. Tagsüber ist es gerade weniger heiß, trotzdem immer noch über 30°C.
Ich habe mich echt gut eingelebt und kenne mich auch in der Stadt einigermaßen gut aus. Manchmal ist es ein bisschen schwierig, zum Beispiel heute war ich unterwegs um einen Adapter zu kaufen, Google meinte ich muss noch ewig die Straße entlang fahren, dabei war ich schon längst vorbei. Am Ende war ich dann doch ganz glücklich, weil sie da hatten was ich wollte und ich jetzt endlich wieder Strom für mein Laptop habe.
Auch im Projekt habe ich gemerkt, dass wir doch noch einiges nicht wissen, so erfuhr ich heute nebenbei, dass das Projekt nicht nur ein Konto bei der Bäckerei und beim Supermarkt hat, sondern auch beim Schreibwarenladen, das seit 2 Monaten nicht bezahlt wurde, also bin ich heute gleich hingefahren um zu fragen, wie riesig die Rechnung denn ist, die ich begleichen sollte.

Jetzt sitze ich zu Hause und es hat schon wieder angefangen zu regnen, ich frage mich gerade immer: Wie ist der Regen in der Regenzeit? Nur ganz kurz, dafür aber heftig? Oder den ganzen Tag, aber nur Niesel? Als ich Manu danach gefragt habe meinte sie, sie wisse es auch nicht, ich bin schon echt gespannt. Oder hat die Regenzeit schon begonnen? Und was macht man dann den ganzen Tag, wenn bei ein bisschen Regen, so wie jetzt schon alles ausfällt. Und wie verkraftet das das Haus, in das es jetzt schon an zwei Stellen hereinregnet? Ich habe so viele Fragen und keiner kann sie mir beantworten...

Nächste Woche tauschen Vera und ich die Gruppen, sie wird dann vormittags und ich nachmittags ins Projekt gehen. Ein bisschen schade finde ich es schon, jetzt habe ich die kleinen so sehr lieb gewonnen und muss schon wechseln. Ich denke auch die Actividades für die größeren sollten anspruchsvoller sein als irgendwelche Bildchen zu malen, das macht mir bammel, mal sehen wie ich das hinbekomme, ich werde euch auf jeden Fall davon berichten.

Und noch etwas wird sich in den nächsten Tagen ändern:
Meine Gastmutter kommt von ihrer Reise zurück, darauf freue ich mich schon, dann bin ich nicht mehr so viel alleine zu Hause, aber ein bisschen Zweifel habe ich schon, denn sie wird Manus Schwester mitbringen, die vor ca. vier Wochen ihr Baby bekommen hat. Ich bin gespannt, ob ich dann überhaupt noch schlafen kann, wenn der kleine Israel die ganze Zeit Hunger hat.

Was mich immer wieder freut ist, dass ich immer mehr verstehe, was die Leute erzählen oder von mir wollen. Manchmal sage oder höre ich ein Wort und denke: Wow, am Anfang konnte ich das noch nicht. Das freut mich dann immer wahnsinnig. Auch die Leute um mich herum merken das, neulich hat mir einer etwas erzählt und dann etwas gefragt und ich habe ich ihm schon geantwortet, dann hat er angefangen es noch mal zu erklären, plötzlich gestoppt und gemeint: „Ach, ich muss es dir ja gar nicht erklären.“ Da haben wir beide gelacht und mich freut das, wenn er das merkt, dann bin ich weniger die kleine Lise der man alles doppelt und dreifach erklären muss.

Ich bin gerade wirklich glücklich hier zu sein und auch froh, meine Erfahrungen mit euch teilen zu können.

Die Arbeit im Projekt kann auch auf Facebook verfolgt werden, da werden ständig Bilder mit einer kurzen Erklärung gepostet, natürlich auf beiden Sprachen. -> Projeto Gonçalinho.

Beijos Lise