Endlich gibt es wieder etwas zu berichten.
Die letzte Woche haben wir im Projekt dem Thema „Unabhängigkeitstag“ gewidmet. Am Montag hat Barbara den Kindern (und mir natürlich auch) die Geschichte, wie Brasilien von Portugal unabhängig wurde, anhand von kurzen Filmen erklärt.
Hier die Kurzfassung für Euch: Der portugiesische König musste nach der Niederlage Napoleons wieder nach Europa zurückkehren. Seinen Sohn, Dom Pedro, ließ er zurück, dieser wollte die koloniale Abhängigkeit aber vollends auflösen und hatte deshalb die Nationalbewegung unterstützt. Am 7. September erklärte er dann die Unabhängigkeit mit dem Ausruf: „Independência ou Morte“ (Unabhängigkeit oder Tod), nur 5 Wochen später wurde er zum ersten Kaiser Brasiliens gekrönt.
Was mir gerade auffällt ist, dass ihr mit den 3 Sätzen zur Unabhängigkeit Brasiliens schon mehr informiert seid als viele Leute hier. Leider muss ich oft feststellen, dass Themen nur Oberflächlich behandelt werden, unglücklicherweise auch im Projekt. Manchmal macht mich das traurig. Ich habe immer das Gefühl etwas falsch verstanden zu haben, doch in Wirklichkeit wird tatsächlich nur die halbe Geschichte erzählt.
Am Dienstag haben wir mit den Kindern einen Banner mit der Aufschrift „Projeto Gonçalinho“ erstellt, den wir zum Umzug am Unabhängigkeitstag (Sete de setembro) mitnahmen.
Den Mittwoch haben wir dafür verwendet, Schwerter und Steckenpferde zu basteln, was mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hat. Leider hat man hier wieder gemerkt dass sich auch die Betreuerinnen nicht so sehr in der Geschichte auskennen, hatten die Offiziere damals nicht Degen? Jedenfalls hatten die Kinder der Gruppe am Morgen Schwerter und die Nachmittagskinder Degen für das Minitheaterstück, mit dem wir unsere Projektwoche abschlossen.
Für uns „Professoras“ war mit dem Theaterstück das Projekt noch nicht vorbei. Am Samstag trafen wir uns zusammen mit den Teilnehmern des Brasilien-Deutschland-Austausches um Plakate für den Umzug am Montag zu basteln. Für die sozialen Projekte Brasiliens stand der Marsch unter dem Motto: Leben an erster Stelle – Was ist das für ein Land, das Menschen tötet, die Medien belügt und uns vernichtet?
Vera und ich haben uns viel mit diesem Thema beschäftigt und das dann versucht die Leitfrage auf die Situation der Kinder und des Projektes zu beziehen. Zum einen haben wir uns sehr auf die Bildung in Brasilien fokussiert, die leider einem niedrigen Standard entspricht. Nur durch ein niedriges Bildungsniveau ist es möglich, dass die Regierung so viel vor den Menschen verbergen kann, denn die Leute glauben, was sie mit den Medien aufnehmen. Uns ist schon oft aufgefallen, dass in vielen Haushalten beispielsweise den ganzen Tag der Fernseher läuft.
Ein anderes wichtiges Thema speziell für uns ist die Straße, denn der Grundgedanke des Projektes ist ja, die Kinder vom Leben auf der Straße fernzuhalten, denn der Staat schafft es nicht, sich darum zu kümmern, aus diesem Grund haben wir ihm die Frage gestellt: „Quem protege nossas crianças?“ („Wer schützt unsere Kinder?“)
Der Feiertag am 7. September begann für uns um 8 Uhr mit dem Umzug, alle städtischen Einrichtungen (Polizei, samt Militär, Feuerwehr, sämtliche Schulen,…) zogen an uns vorbei. Nachdem auch ein Haufen Schulbusse vorbeigefahren waren, reihten sich alle Vertreter des Goncalinhoprojekts ein. Irgendwie wurde uns immer erklärt, dass alle sozialen Einrichtungen am Ende laufen, auch mit „Protestplakaten“ aber irgendwie waren wir dann doch die Einzigen. Ich fand es schade, dass viele Leute schon am Gehen waren und wir kaum beachtet wurden, doch als wir an der Bühne vorbeigelaufen sind, und der Sprecher ins Mikrophon sagte die Leute sollen nicht gehen, alle Plakate vorgelesen hat und die Leute laut klatschten, hatte ich wirklich einen Gänsehautmoment. Wir waren die Einzigen, die tatsächlich eine Meinung repräsentierten und nicht nur mitliefen, ich glaube, das hat uns alle ein bisschen stolz gemacht. Widererwartend ging der Marsch nur ein paar hundert Meter und löste sich schon wieder auf, aber das war nicht so schlimm, die Sonne brannte und das Projekt hat die erhoffte Aufmerksamkeit bekommen.
Parabéns para todos que participarem! Glückwunsch an alle, die dabei waren!
Beijos Lise
langes wochenende...
Unsere freien Tage begannen wir am Freitag mit einem deutschen Mittagessen.
Der Nudelauflauf sollte eigentlich für meine Gastfamilie und zusätzlich Veras Gastschwester sein, doch wie das in Brasilien so ist, läuft nichts nach Plan, so saßen Vera und ich nur mit Rafaela am Tisch. Meine Gastmutter verpasste das Essen, Bia hatte spontan doch zu viel zu tun und Manu lag mit Rückenschmerzen im Bett. Trotzdem war der Auflauf sehr lecker, dazu gab es Gemüse und eine viel zu scharfe Tomatensoße. Beim nächsten Mal einkaufen bin ich auf jeden Fall ein Stückchen klüger, lieber den hier sogenannten „Mozzarella“ kaufen, der schmeckt zwar auch nach nichts (und das von mir Mama ;)) aber der zerläuft wenigstens. Außerdem nie wieder Gemüse im großen Supermarkt kaufen, kleine Frutarias haben mehr und billigere Auswahl. Zum Nachtisch gab es Apfelküchle, die supergut ankamen, mit viel Zucker und Zimt waren sie sogar meiner Gastmutter süß genug, die sonst bei meinen Säften den fehlenden Zucker bemängelt.
Nach dem Zumba ging es mit Mateus und Lucas auf einen kleinen Markt, der Universität, dort trafen wir den Maler Sebastião Mendes wieder, der schon ein paar Mal mit dem Gonçalinho – Projekt zusammengearbeitet hat. Dieser hat uns gleich noch seinen Neffen vorgestellt, der auch professioneller Maler ist und uns gleich in sein Atelier eingeladen hat, um seine neusten Werke zu begutachten. Mir persönlich gefallen die Gemälde von Salvio Junior besser, für mich haben sie mehr Ausdruck und sind nicht so eintönig, wie die seines Onkels. (Falls Euch die Beiden interessieren, sind sie auch auf Facebook zu finden)
Gestern (Montag) ging es auf einen Ausflug zum Lago Azul (Blauer See), warum dieser See so heißt kann man von außen nicht sehen, doch wenn man unter Wasser die Augen öffnet weiß man schnell woher der See, der aus einem Fluss entstand, seinen Namen her hat. Dieses himmelblaue Strahlen konnte ich leider nicht für Euch einfangen, doch ich hoffe ihr könnt Euch vorstellen, wie schön es ist, in diesem See zu tauchen. Nach dem Churrasco und einer erneuten Baderunde haben wir uns wieder auf den Weg nach Cáceres gemacht, leider kommen die Busse in Brasilien nicht sehr pflichtbewusst, deshalb mussten wir fast zwei Stunden an der Straße auf den Bus warten, wir hatten aber trotz großer Müdigkeit sehr viel Spaß beim Warten.
Auf dem Weg nach Hause haben Vera und ich spontan beschlossen, früh am nächsten Morgen mit drei Kumpels angeln zu gehen. Es war ausgemacht, wir werden um 5 Uhr bei mir abgeholt, gekommen sind sie schließlich viertel vor 6. Merke: Einfach immer eine halbe Stunde später aufstehen, das reicht immer noch locker und wenn nicht, dann müssen die Anderen kurz warten, die rechnen ja wahrscheinlich schon damit. Nach einer abenteuerlichen Fahrt auf Staubstraßen mit unendlich vielen Schlaglöchern sind wir schließlich am Rio Paraguay irgendwo im nirgendwo angekommen. Nach mehreren Stunden langweiligen Wartens habe ich meinen ersten und einzigen Fisch gefangen und gleich ausgenommen.
Als die Jungs auch ein paar Fischchen zusammenhatten, wurden die Fische frittiert und wie kann es auch anders sein mit Reis gegessen. Seeeehr lecker!!
Der Tag war insgesamt für Vera und mich nicht sehr erfolgreich, aber als Angelneulinge sollte man glaube ich auch nicht zu viel erwarten. Trotzdem war der Tag großartig.
Jetzt freue ich mich auf die nächsten zwei Tage, an denen ich ganztags im Projekt sein werde.
Até mais! Lise
eingelebt.
Wenn ich um 11:15 Uhr vom Projekt mit dem Fahrrad nach Hause fahre erwartet mich meine Gastmutter schon und wir bereiten gemeinsam das Mittagessen vor. Bis jetzt kocht sie und ich mache „Suco“ (Saft), Salat und decke den Tisch. Dann essen wir normalerweise gemeinsam Reis, Bohnen und irgendein Fleisch, meistens gibt es auch Gemüse, weil ich das so gerne mag. Um die Mittagszeit macht mich die Hitze wahnsinnig müde, deshalb habe ich selten Lust wieder aufzustehen, wenn ich mich nach dem Essen aufs Sofa lege.
Das macht mir oft ein schlechtes Gewissen, ich mag die Kinder total gerne, aber manchmal ist es einfach nur anstrengend ins Projekt zu fahren und mit ihnen zu spielen. Bei den Actividades tue ich mich leichter. Diese Woche war das Thema im Projekt: „Gemüsegarten“.
Am Montag haben wir mit den Kindern darüber gesprochen, welches Obst und Gemüse sie gerne mögen und was man möglicherweise im Projektgarten pflanzen könnte. Die Kinder hatten sehr gute Ideen, wie beispielsweise Kopfsalat oder Karotten. Also haben Vera und ich alle Ideen der Kinder für die Englischstunde am Dienstag übersetzt. Den Kindern haben wir dann anhand von Bildern die Englischen Begriffe beigebracht.
Am Mittwoch wurde das Unkraut im und um das Beet herum zusammen mit den Kindern entfernt. Trotz der Hitze hatten alle Spaß an der Arbeit. Nach dem Aufräumen haben die Kinder uns gezeigt, wie man Pipa (Drachen) bastelt. Voller Eifer haben die Kinder aus Bambusstäben Gerüste gebaut und mit dünnem buntem Papier beklebt.
Am Donnerstag waren wir mit den Kindern auf dem Fußballfeld, das sich direkt hinter dem Projektgelände befindet, um Drachen steigen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit hat mir Tati, die am Austausch mit dem Dietrich-Bonhoeffer Gymnasiums teilnimmt, erzählt, dass es viele Kinder gibt, die die Schnur des Drachen mit kleinen Glassplittern bekleben und damit ein gefährliches Spiel spielen. Sie versuchen dann mit ihrer Schnur den Faden des anderen zu durchschneiden. Schon oft haben diese Schnüre schlimme Schnitte an Vorbeifahrenden und- laufenden hinterlassen. Es gab sogar Fälle, bei denen Menschen gestorben sind, weil diese scherbenbesetzten Schnüre ihnen die Kehle aufgeschnitten hat. Seit sie mir das erzählt hat habe ich Angst an Kindern vorbeizufahren, die mit Drachen spielen, denn es ist nur schwer zu erkennen, ob die Fäden mit Splittern besetzt sind.
Die nächste Woche beginnt mit einem Feiertag, an dem der Schutzheilige (Sao Luiz) der Stadt Cáceres geehrt wird. Für die Kinder ist das ein Grund zur Freude und auch wir können uns bis Dienstag erholen, denn in Brasilien bekommen die Kinder auch am Tag vor oder nach dem Feiertag schulfrei. Warum war das zu meiner Schulzeit nie so?!
Bis Bald! Até logo!
Lise