Bolivienreise Teil 2
Hier kommt der zweite Teil meines Reiseberichts, hat leider wieder ein bisschen gedauert, aber ich lag die letzten Tage fast nur auf dem Sofa vor Erschöpfung.

Die Italiener waren ziemlich nervig, der Typ hat jedenfalls die ganze Zeit nur über seinen Strand Club geredet oder an der Tour herumgenörgelt.
Stimmt schon, es gab einige Defizite, zum Beispiel, dass es zum Frühstück nur Milch- und Kaffeepulver und etwas Brot gab, aber meine Güte, hätte schlimmer kommen können.
Am dritten Tag unserer Reise ging es dann nach den letzten paar Salzwüstenfotos raus aus dem weißen Meer und rein in eine grau-braune Steinwüste.









Überall nur Steine und manchmal ein paar grüne Grasbüschel, trotzdem war die Ansicht ziemlich beeindruckend, bei über 4000m kein Schnee in Sicht, wer hätte das gedacht?!





Immer mal wieder hielt unser Fahrer an für 20 Minuten Bilderpause, das war eh immer sein Spruch: „Ihr habt 20 Minuten.“ Das fanden glaube ich alle nicht so gut, ich hätte gerne auch etwas über die Landschaft gewusst, jedes Mal wenn jemand gefragt hat, hat unser Guide dann entweder auf ein Schild verwiesen oder einen nicht wirklich zufriedenstellenden Satz gesagt.
Dafür war er aber immer bereit, Bilder von seinen „Chicas lindas“ zu machen, bestimmt nur, weil wir nicht die ganze Zeit herumgenörgelt haben.





Nach einigen Steinbekletterungen kamen wir zur ersten Lagune, die ist wirklich wunderschön. Im Oktober und November befinden sich dort drei verschiedene Arten von Flamingos. Ich weiß nicht so genau, wie man die auseinanderhalten kann, aber es gab welche mit schwarzen Federn am Hintern, größere und kleinere.





Hier wurde dann auch unser wie immer kaltes Mittagessen eingenommen, das für gewöhnlich im Kofferraum des Jeeps serviert wurde.



So viele verschiedene Farbtöne im Wasser, ich hätte stundenlang einfach nur Formen und Farben im Wasser bestaunen können, aber dann ging es schon weiter zur nächsten Lagune und dann zur nächsten, bis wir unser letztes „Hotel“ erreichten, da war es wirklich arschkalt, es gab abends nur zwei Stunden Licht, Steckdosen hat man gar nicht erst angebracht und die einzige Glückliche mit warmem Duschwasser war ich.
Am nächsten Morgen ging es dann nach gefühlt einer Stunde Schlaf um vier Uhr wieder raus aus dem eiskalten Bett.



Den versprochenen Sonnenaufgang verpassten wir dann, weil der Guide viel zu spät dran war, irgendwie hat er es dann aber immer noch so darstellen wollen, als hätte er die ganze Zeit auf uns gewartet und nicht wir auf ihn. An diesem Morgen waren wirklich alle schlecht drauf, zum Frühstück gab es praktisch nichts mehr, die Packung Tee hätte schließlich für sieben Leute drei Tage lang halten sollen.

Mit Langarmshirt, Pulli, Regenjacke und dann noch dem Wollpulli und einer Mütze auf ging es dann schließlich zum ersten Stopp, der für Vera und mich den schlechten Start sofort wieder wett gemacht hat. Die Geysire waren wirklich beeindruckend, auch wenn es überall nach faulen Eiern gerochen hat, war dieses Naturschauspiel am frühen Morgen wirklich einer der besten Sehenswürdigkeiten der ganzen Reise. Hier ein paar Eindrücke für euch:





Im Programm stand, als nächstes könne in den heißen Quellen gebadet werden, aus Plural wurde Singular und aus der Fantasie einer natürlichen Quelle im Nirgendwo wurde ein touristischer Badeort. Also hängten wir nur unsere Füße hinein. Der vermeintlich coolste Part der Tour wurde ein großer Reinfall.



Also ging es durch Sand und Gestein zur „Laguna Verde“. Die grüne Lagune war ein bisschen weniger grün als wir uns das vorgestellt haben, aber das läge wohl an den fehlenden Mineralien im Wasser zur Zeit. Ein bisschen Schade, aber trotzdem schön.

Der letzte große Stopp, bevor es zurück nach Uyuni ging, war die „Laguna Vermelha“, hier färbt sich das Wasser durch die darin enthaltenen Mineralien rot. Ich weiß nicht, wie lange ich dort saß und die Natur einfach nur in mich aufgesaugt habe, aber es war wunderschön und ich hätte noch viel viel länger dort sitzen bleiben können.







Die tatsächlich letzten Haltestellen waren, um das „Banho Natural“ zu benutzen und um Mittag zu essen. Lamas sind wirklich lustige Tiere...



Als wir zurück nach Uyuni kamen, suchten wir uns erst einmal ein Hostel für die Nacht. Danach ging es los zur Bank, um Geld für das Abendessen und die Weiterfahrt am nächsten Tag abzuheben. Aber: Horror!! Wirklich! Das möchte man auf einer Reise wirklich nicht erleben, alle, wirklich alle Bankautomaten in der Stadt waren in dieser Nacht nicht funktionsfähig!! Also gingen wir los (ich war wirklich extrem deprimiert!) und suchten uns für 22 Bolivianos etwas zu essen (umgerechnet sind das ungefähr 3 Euro) und tatsächlich fanden wir etwas. An einer Straßenecke stand eine Frau mit einem Wägelchen und verkaufte Reis mit Lama- oder Hühnerfleisch für jeweils 6 Bolivianos. Also versuchten wir es, Lama hat mir nicht geschmeckt, ich fand, es hatte irgendwie ein bisschen etwas von Kuhstall, aber das Hühnchen war ganz okay. Mit unserem Glück hatten wir sogar noch 10 Bolivianos übrig, davon gönnten wir uns dann einen Nachtisch, Vera hatte Schokoerdbeeren und ich einen Becher mit Joghurt und Früchten. Unglaublich, das alles für DREI Euro!! Ein Wunder eigentlich, dass wir danach keine Lebensmittelvergiftung hatten, aber man sagt ja: Nur die Harten kommen in den Garten!
Das war wirklich eine Erfahrung wert und es gab sogar ein Erinnerungsfoto vor einem echten Plastikweihnachtsbaum:



Am nächsten Tag voller Optimismus ging es los zur Bank und........huch Glück gehabt, es ging alles gut. Was hätten wir nur gemacht, wenn es immer noch nicht funktioniert hätte?
Also ging es los zum Bus, der uns nach Potosi brachte. Dort wollten wir eigentlich bei einem Couchsurfer übernachte, der hatte uns auch zugesagt, es dann aber irgendwie verpeilt, also haben wir uns wieder ein Hostel gesucht und hier gab es das beste Frühstück/Mittagessen, das wir dann auf dem Boden einnahmen: Käsebrot, Feigen und Wassermelone. Uma delicia!





Nachdem wir ein bisschen die Stadt versucht haben kennen zu lernen, gingen wir in eine Tanzaufführung, die Leute erklärten uns es sei eine Oper, dabei gab es nur ein bisschen Opernmusik und ein Haufen Jugendliche, die dazu eine Geschichte mehr oder weniger tanzten und so taten als würden sie singen, nach der zweiten Pause und einigen Lachanfällen gingen wir auf die Suche nach unserem Abendessen. Wir hatten vorher schon gelesen, dass man in Bolivien in noble Restaurants gehen kann und dabei immer noch ziemlich billig wegkommt. Also versuchten wir unser Glück, erst haben wir uns nicht hinein getraut, weil das Restaurant so schick aussah, dann kam aber doch noch eine Frau, die uns hineinbat. Drinnen waren tatsächlich nur Touristen zu sehen. Für mich gab es einen riesigen Teller Quinoa-Nudeln und für Vera drei Sorten Fleisch mit seltsamem Gemüse, zusammen haben wir für das Abendessen 130 Bolivianos gezahlt, also nicht mal 20€.





Am nächsten Morgen bei Frühstück habe ich meinen Fleecepullover einer Mitarbeiterin des Hostels gegeben, vermutlich werde ich den im heißen Brasilien nicht mehr gebrauchen und sie kennt sicherlich jemanden, der sich darüber freut. Die Frau hat sich wirklich gefreut und sich ziemlich oft bedankt. Also ging es mit einem minimal leichteren Rucksack auf zum Bahnhof, wir waren zwei Minuten zu spät, aber der Mann dort war ziemlich nett, hat den Zugfahrer angerufen, damit er stoppt, also sind wir wie zwei Blöde hinter dem Zug her gerannt, der das zweite Highlight unserer Reise, neben der Tour, werden sollte.
Bis wir so richtig aus der Stadt draußen waren, war unsere Fahrt mit dem Tuckerzug ein bisschen enttäuschend, überall lag Müll herum, manchmal war mir wirklich rätselhaft, wie der wohl da hin kam.. Was ich die ganze Fahrt über erstaunlich fand, war, alle, die unseren Zug bemerkt haben, hörten auf mit dem was sie gerade taten, ob Arbeiter auf dem Feld oder spielende Kinder.. Hunde sind uns hinterher gerannt und Kinder haben gewunken. Es hat sich angefühlt, wie durch eine andere Welt zu fahren. Auch fährt der Zug eine andere Route als der Bus und wir passierten wunderschöne grüne Täler und hohe graue Berge.





Immer wieder stoppte der Zug und es stiegen Leute ein und aus, manchmal an Stellen, wo man sich wirklich gefragt hat, wie weit diese Menschen wohl gelaufen sein müssen, um die Gleise zu erreichen. Bis wir nach sieben Stunden dann in Sucre ankamen, war der kleine Zug gefüllt und voll mit verschiedenen Gerüchen, wie Coca-Blätter, undefinierbare Früchte und Mahlzeiten eingepackt in Blätter, die mit der Hand eingenommen wurden.
Die Frauen vom Land tragen fast alle zwei geflochtene Zöpfe, an denen am Ende Perlen baumeln, die Kleidung setzt sich meistens aus einer Bluse, einem faltigen Rock und einer Schürze zusammen, ihr Hab und Gut tragen sie für gewöhnlich in bunten Tüchern herum.



Die Zeit im Zug war wirklich schön und nützlich, die ganze Reise zu verarbeiten und die Natur auf sich wirken zu lassen.

In Sucre am Bahnhof gab es dann zum ersten Mal fast Ärger..Hahaha..Jetzt finde ich es witzig, aber in dem Moment war ich wirklich auf 180, als von allen Seiten Leute zu uns kamen, um uns eine Busfahrt zu verkaufen, ich war hungrig und musste auf die Toilette, keine gute Mischung... Also hauten wir schnell ab, gingen auf die Toilette, aßen etwas und suchten uns in aller Ruhe eine Bus Company, die uns dann über Nacht nach Santa Cruz bringen sollte. Bis der Bus fuhr, fuhren wir mit dem Stadtbus durch Sucre und liefen ein bisschen herum.

Am nächsten Morgen kamen wir dann in Santa Cruz an, leider haben wir uns nicht über die Stadt informiert, denn wir gingen eigentlich davon aus, dass wir gleich den Bus nach San Matías nehmen müssen, der fuhr aber erst abends, also fuhren wir mit irgendeinem Bus herum, setzten uns an einen Platz, schrieben Tagebuch, redeten, aßen Eis, liefen über einen Markt, suchten Mitbringsel und so weiter...

Mit zwei Stunden Verspätung kam der Bus am nächsten Tag um 14:00 Uhr in San Matías an. Da wir noch das Migrationsbüro aufsuchen mussten, um anständig aus Bolivien auszureisen, verpassten wir den Bus nach Cáceres. Voll angepisst und deprimiert warteten wir auf den Bus, der um 17:00 Uhr kommen sollte, ich wollte einfach nur noch zurück nach Cáceres zu meiner Gastfamilie. Dann rief uns plötzlich ein Taxifahrer, er würde uns für den gleichen Betrag, wie der Bus nach Cáceres fahren, das Angebot nahmen wir sofort an. Also passierten wir mit ihm die Grenzkontrolle (ich hatte echt Angst, weil die das Auto gescannt haben und wir beide ein bisschen Alkohol als Mitbringsel dabei hatten), aber es ist alles gut gegangen und wir kamen sicher und überglücklich in Cáceres an.

Ich hoffe ihr konntet ein paar Eindrücke meiner Reise gewinnen. Für mich war die Reise wirklich ein tolles Erlebnis und es hat mir wirklich Lust auf mehr gegeben, trotzdem kommt man nach so vielen Eindrücken auch gerne wieder zurück in den Alltag, ich habe mich wirklich wahnsinnig auf meine Kids im Projekt gefreut und die sich auch.
Bis jetzt habe ich noch nie so eine Rucksackreise gemacht und ich glaube es war auch ein bisschen eine Probe, für die große Reise im Dezember, ich weiß jetzt was sinnvoll ist mit zu nehmen und welche Dinge ich die ganzen zehn Tage nicht benutzt habe.

Es gibt Tage, an denen schreibe ich mit mehr Gefühl, an Manchen nur sachlich, ich glaube das merkt man, wenn man die Texte liest, es ist für mich einfach wichtig, alles zu dokumentieren, meine Erfahrungen und Eindrücke, an manchen Tage bin ich nicht so motiviert zu schreiben, habe aber Angst etwas wichtiges zu vergessen. Ich hoffe es hat euch trotzdem gefallen und ihr lest weiter fleißig meinen Blog. (Ich freue mich immer wahnsinnig, wenn mir jemand sagt, er liest, was ich schreibe.)

Beijos Lise